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WAZ: Der Galopprennsport war mein Leben

Bericht in der WAZ über meinen hauptberuflichen Abschied aus dem Galopprennsport ...


Reiterin Rebecca Danz: Der Galopprennsport war mein Leben
Galoppreiterin Rebecca Danz spricht über die Gründe ihres Karriereendes, ihre größten Erfolge und den langen Kampf in einer Männerwelt.

Gerade etwas mehr als zwei Jahre ist es her, als Rebecca Danz (31) ihren größten Erfolg in ihrer Karriere als Rennreiterin gefeiert hat. Am 9. November 2018 gewann sie auf Asyyad die H.H. Sheikha Fatima bint Mubarak Ladies World Championship in Abu Dhabi. Weltmeisterin!

Seit vier Jahren ist die Oberhausenerin Jockey im Stall Diana auf dem Gelände der Raffelberger Galopprennbahn - drei Jahre lang unter Jens Hirschberger, seit November 2019 unter dessen Nachfolger Marcel Weiß. Nun verkündete sie ihren hauptberuflichen Abschied vom Galopprennsport. Wir sprachen mit ihr über die Gründe sowie über die Vergangenheit und Zukunft.

Rebeca Danz hatte das Gefühl, noch einmal etwas neues ausprobieren zu wollen

Rebecca Danz, Sie sind seit 15 Jahren hauptberuflich im Galopprennsport tätig. Nun haben Sie für viele plötzlich und überraschend Ihren Abschied vom Stall Diana am Raffelberg erklärt. Warum?

Eigentlich war meine Planung ein wenig anders, im Grunde war angedacht, noch so vier bis fünf Jahre als Profi-Rennreiterin tätig zu sein. Im letzten Herbst kam während der Corona-Zeit bei mir das Gefühl auf, einmal etwas anderes zu probieren. Die Kurve im Galopprennsport zeigt seit Jahren nach unten. Den Lebensunterhalt als Rennreiterin zu verdienen, wird immer schwieriger. Mit fast 32 Jahren bin ich zudem in einem Alter, um noch etwas Neues anfangen zu können. Auch meine weitere Ausbildung zur Pferdewirtschaftsmeisterin hat mich dazu inspiriert. So habe ich mich auf einige Stellen im öffentlichen Dienst beworben und nach einigen Zusagen entschieden, dass nun der richtige Zeitpunkt ist, neue berufliche Wege zu gehen.

Was ist das für ein Gefühl, diesen erfolgreichen Teil ihres Lebens bald hinter sich zu lassen?

Wenn man seit nun fast 15 Jahren im Galopprennsport auf vieles verzichten musste, geht man den neuen Weg dann auch mit einer gewissen Vorfreude an. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Viele schöne Momente haben alles kompensiert, aber man wird nicht jünger. Mein halbes Leben bestand aus Sieben-Tage-Arbeitswochen, von morgens bis abends bei den Pferden. Urlaub? Was ist das? Wenn es irgendwo anders hinging, waren es nur Kurzaufenthalte. Ich gehe aber auch mit einem sehr weinenden Auge, denn der Galopprennsport war mein Leben.

Sie verschwinden nicht vollends von der Bildfläche. Es ist ein Abschied als hauptberufliche Reiterin, aber kein genereller Rücktritt. Sie können also weiterhin für Galopprenntage gebucht werden?

Ich habe den Beruf als Jockey von der Pike auf gelernt, habe eine gültige Lizenz zum Rennreiten und mein Ehemann ist Besitzer im Galopprennsport. Ich habe schon deshalb auf den kompletten Rücktritt verzichtet, weil ich sein Pferd immer reite. Ebenso habe ich eingeplant, für gute Freunde und kleiner aufgestellte Trainer weiterhin am Wochenende Rennen zu reiten. Allerdings muss ich auch abwarten, ob sich das mit meinem neuen Job auch in Einklang bringen lässt.

In Katar war Rebecca Danz die erste Frau, die eine Lizenz zum Galoppreiten bekam

Ein Blick zurück auf Ihre erfolgreiche Karriere, die mit dem ersten Ritt auf der Galopprennbahn in Magdeburg im Oktober 2008 begonnen hat. Was waren Ihre sportlichen Höhepunkte?

Die sportlichen Höhepunkte waren ganz klar der Sieg in der Amazonen-Weltmeisterschaft 2018 in Abu Dhabi und im Jahr darauf der Sieg in der Perlenkette, eine traditionsreiche Rennserie seit 1968 für Amazonen in Deutschland. 2016 habe ich in Deutschland das Turf-Championat Südwest gewonnen. Als erste Frau im Sattel gelangen mir 2011 bei einem Meeting in Baden-Baden vier Siege und als erste Profi-Reiterin habe ich in der Türkei und Katar Siege erzielt. In Katar war ich sogar die erste Frau, die eine Lizenz zum Galopprennreiten erhalten hatte. Es gab viele solcher Momente, die einen mit Freude zurückblicken lassen.

Wie geht es in Ihrer sportlichen Karriere weiter? Wie oft können Sie trainieren?

Trainieren werde ich noch jeden Tag, aber nicht mehr in dem Umfang wie bisher. Der Galopprennsport wird immer ein Teil meines Lebens bleiben, aber mein neuer Job genießt für mich in der Zukunft absolute Priorität.

Welche sportlichen Ziele verfolgen Sie nun noch?

Die wichtigsten Titel, die es für die Amazonen gibt, habe ich in meiner Karriere gewonnen. Die sportlichen Ziele werden also wohl in den Hintergrund rücken, aber so ist das nach einem Rücktritt. Wenn ich die Chance bekomme, nochmals die Perlenkette zu reiten oder an der WM teilzunehmen? Klar, warum nicht!?

15 Jahre Kampf in der Männerwelt

War es als Frau schwierig, in diesem überwiegend von Männern dominierten Sport hauptberuflich Fuß zu fassen?

Schwer ist eigentlich untertrieben. Ich musste mich immer durchbeißen, hatte nie einen großen Stall im Rücken. Stundenlange Telefonate, um an Ritte zu kommen; tausende von Kilometern jedes Jahr, um auch Pferde von weniger bedeutenderen Trainern im Training zu reiten, nur um auch im Rennen die Chance zu bekommen. Daher bin ich auf das, was ich erreicht habe, ganz besonders stolz. Nach nun 15 Jahren Kampf in einer Männerwelt kann ich nun auch mal durchatmen.

Was raten Sie jungen Mädchen, die von einer Karriere als Amazone träumen?

Erstens: Talent allein reicht nicht. Dann... Heutzutage? Als Frau und Profi? Man muss es lieben, viel Hartnäckigkeit mitbringen, einen langen Atem haben, maximal 50 Kilogramm wiegen und einen Partner haben, der dahintersteht. Wer eines davon als Frau nicht mitbringt, sollte es sein lassen. Denn als weiblicher Profi in unserem Sport ist es ein steiniger und harter Weg. So war es zumindest für mich. Aber, und das kann ich auch sagen: Viele schöne Momente haben alles bis heute gerechtfertigt.

Was nehmen Sie aus der Zeit Ihrer Ausbildung und Ihrer hauptberuflichen Tätigkeit im Pferderennsport generell für die Zukunft mit?

Ich hatte das Glück, mit Peter Rau und meinem Förderer Andreas Löwe zwei richtig gute Ausbilder gehabt zu haben. Als junge Reiterin hätte ich die beiden manchmal am liebsten auf den Mond geschossen, aber im Nachhinein sieht man vieles anders. Die haben alles richtig gemacht. Nur so bekam ich den Biss, auch nach Rückschlägen immer wieder aufzustehen. Von Nachteil werden die Erfahrungen, die ich über die Jahre im Galopprennsport gesammelt habe, für meine neue Aufgabe mit Sicherheit nicht sein.

Bericht: Marcus Lemke
(22.02.2021)